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Donnerstag, 17. Mai 2018 | 13:34 Alter: 156 Tag(e)

„Fußball geht immer“...


Eröffnungsreferentin Christin Gießler, Bildrechte: Christin Gießler

… so lautet die Überschrift einer Tagung der Evangelischen Akademie Meißen am 24. Mai 2018 zu den Möglichkeiten, diesen Ballsport in die Arbeit mit jungen Menschen, insbesondere Jungen und jungen Männern, zu integrieren. Studienleiter Christian Kurzke sprach mit der Referentin des Eröffnungsvortrages zu den Hintergründen des Themas. Christin Gießler ist Expertin für Fußball-Fankulturen und arbeitet in der ‚Kompetenzgruppe Fankulturen & Sport Bezogene Soziale Arbeit‘, welche auch gemeinsame Projekte mit dem Deutschen Fußballbund durchführt.

 

Christian Kurzke, EAM:  Wie ließe sich in wenigen Worten die bindende Wirkung, die prägende Rolle von Fußball in unserer Gesellschaft begründen?

Der Männer-Fußball ist in Deutschland Sport Nr. 1. Kein anderer Sport bekommt ähnlich viel Aufmerksamkeit und hat eine ähnliche gesellschaftliche Relevanz. Viele Anhänger*innen fühlen sich emotional mit ihrem Verein sehr verbunden und das schon über viele Jahre. Gleichzeitig macht die voranschreitende Vermarktung des Fußballs gerade den Profi-Fußball sehr präsent. Auch was die aktive Ausübung des Sports angeht, steht Fußball mit knapp sieben Millionen Mitgliedern auf dem ersten Platz.

Fußball-Fans sind ganz verschieden. Es gibt die Interessierten; es gibt diejenigen, die ihr Fan-Sein auch über die Kleidung und häufige Stadionbesuche ausleben und es gibt bspw. Ultras. Gibt es bei all diesen verschiedenen Formen etwas gemeinsames, identitätsprägendes, was Fußball-Fan sein ausmacht?

Die Gemeinsamkeit ist die Identifikation mit dem Verein. Es gibt allerdings unterschiedliche Ausdrucksformen der Identifikation. Fans unterscheiden sich in ihren kulturellen Praktiken sehr. Für Ultras steht beispielsweise der dauerhafte und möglichst kreative Support des Teams im Vordergrund. Ebenso bringen sich Fangruppen auch unterschiedlich politisch in die Debatten rund um den Fußball ein, z.B. was die 50+1 Regelung betrifft oder die Ansetzung von Spieltagen. Sich gegenüber anderen Fangruppen – auch innerhalb einer Szene – abzugrenzen, kann auch identitätsstiftend sein.

Worin liegt die anziehende Wirkung von Fußball für Jungen und Männer, denn mehrheitlich sind sie diejenigen, die sich im Zusammenhang mit Fußball verhalten und beobachten lassen bzw. wahrgenommen werden?

In Bezug auf Ultra-Kultur lässt sich sagen, dass diese zu den größten Jugendkulturen Deutschlands gehört. Sie eröffnet eine Lebens- und Erlebniswelt, die für viele Jugendliche als attraktiv und anziehend wahrgenommen wird. Hier finden Jugendliche, durchschnittlich 90% Jungen und junge Männer, ein gemeinschaftliches Wir-Gefühl, können sich kreativ ausleben und durchaus auch Grenzen überschreiten, was oft deutschlandweit und über den Fußball hinausgehend Beachtung findet. Dort lernen sie, sich zu organisieren, zu netzwerken und vieles mehr – breite Ressourcen eröffnen sich dort. Ebenso wird in diesem System von Vergemeinschaftung und Konkurrenz konstant Männlichkeit verhandelt und hergestellt. Gerade in identitätsprägenden Phasen kann dies auch große Anziehungskraft auf Jungen ausüben.

Das Detailprogramm und die Anmeldemodalitäten der Veranstaltung im Studienbereich Jugend finden Sie HIER.

 

Hier gibt es das Interview als Initiates file downloadPDF


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