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Donnerstag, 16. August 2018 | 10:44 Alter: 38 Tag(e)

Ein Himmelsstürmer beim Klosterhoftag


Michael Schlosser in einem Nachbau seines selbstgebauten Fluchtflugzeuges

Einfach abheben und in die Freiheit fliegen… Diesen Traum hatte Michael Schlosser, der in den 1980er Jahren den Plan schmiedete, in einem selbstgebauten Flugzeug aus der DDR nach Westdeutschland zu fliehen, bevor er in die Fänge der Staatssicherheit geriet. Zum Klosterhoftag am 18. August begrüßt die Akademie Herrn Schlosser als Gast. Er wird einen Nachbau seines Flugzeugs zeigen und als Zeitzeuge über seine Erlebnisse sprechen. Drei Fragen hat er jetzt schon beantwortet. Wer wissen möchte, wie Schlossers Geschichte weiterging, ist herzlich eingeladen, am 18. August zum Klosterhoftag zu kommen und den Dresdner „Ikarus“ persönlich kennenzulernen. 

 

 

3 Fragen an… Michael Schlosser

 

 

Milena Wein (EAM): Wie kam es zu Ihrer Idee, ein Flugzeug zu bauen, um darin aus der DDR zu fliehen? 

  

M. Schlosser: Dazu gibt es eine interessante Vorgeschichte. 1972 wurde mein Antrag zur Eröffnung eines Kfz-Betriebes abgelehnt, weil es angeblich genügend Werkstätten in Dresden gäbe. Ich habe aber nicht aufgegeben. 1980 bekam ich einen Gewerbeschein, aber ohne Arbeitserlaubnis, da ich kein Mitgliedsformular einer Partei beigelegt hatte. Nach einer weiteren Aufforderung und zwei Wochen Bedenkzeit habe ich das Formular wieder abgegeben, ohne einer Partei beigetreten zu sein, und bekam prompt die Retourkutsche: „Wenn du unserem Staat nicht entgegenkommst, will er dich auch nicht helfen.“ Mein Antrag war abgelehnt worden. 

 

Wenig später machte ich gerade in Doksy (damals CSSR) Urlaub, als ich bei Radio Luxemburg folgende Mitteilung hörte: Derjenige DDR-Bürger, der mit einem selbstgebauten Hubschrauber auf dem Springer-Hochhaus landen würde, bekäme dafür eine Million DM ausgezahlt. „Das wär’s“, dachte ich. Nachdem ich mich versichert hatte, dass es sich um keine Ente handelte, habe ich mit dem Bau des Hubschraubers angefangen. Da mir jedoch kein entsprechendes Material zur Verfügung stand, habe ich mich dafür entschieden, stattdessen ein Flugzeug zu bauen. Damit wollte ich auf der Autobahn A9 bei Rudolphstein landen und zwar am 11. November 1983. So wurde die Idee geboren. 

 

Milena Wein (EAM): Sie engagieren sich seit 2007 als Zeitzeuge und Referent, unter anderem in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden. Woher kam die Motivation, als Zeitzeuge aktiv zu werden? 

  

M. Schlosser: Das begann 1994, als ich zu einer Pressekonferenz in der ehemaligen U-Haft der Bezirksverwaltung der Stasi in Dresden eingeladen wurde. Seit 2004 arbeite ich nun ehrenamtlich in der Gedenkstätte, 2007 wurde meine Geschichte dann vom MDR verfilmt. Da die Nachfragen nach meinen Beweggründen und meiner Geschichte groß sind, habe ich mich bereiterklärt, regelmäßig auf Anfragen als Zeitzeuge zur Verfügung zu stehen und gebe den Besuchern auch Einblick in meine Akte, um den Wahrheitsgehalt meiner Geschichte amtlich zu beweisen. Schließlich haben die Mitarbeiter der Staatssicherheit mein gesamtes Leben aktenkundig festgeschrieben… 

 

Milena Wein (EAM): Sie sind 2004 zurück nach Sachsen gezogen. Was hat Sie dazu bewogen, nach der Wende in den Osten zurückzukehren?  

 

M. Schlosser: Ich bin 2002 vorzeitig in Rente gegangen, habe aus gesundheitlichen Gründen meine Zelte in Rheinland-Pfalz abgebrochen und bin wieder nach Dresden zurückgekehrt. Mein Gesundheitszustand hat sich fortwährend verbessert, also habe ich angefangen, mir ein Haus in der Sächsischen Schweiz auszubauen. Als Rentner ist es doch egal, wo man wohnt, nur gefallen muss es einem. Dresden ist eine schöne Stadt und so richtig freiwillig bin ich ja nicht weg. 

 


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