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Dienstag, 21. August 2018 | 12:29 Alter: 33 Tag(e)

Die Vergangenheit an der Gegenwart spiegeln


"Voll der Osten" im Kreuzgang der Evangelischen Akademie Meißen

Harald Hauswald, Bundestagsabgeordnete Susann Rüthrich, Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange und Dr. Julia Gerlach

Als am 17. August die ersten Gäste zur Eröffnung der Ausstellung „Voll der Osten. Leben in der DDR“ des Radebeuler Fotografen Harald Hauswald im Kreuzgang eintrafen, richteten sich viele neugierige Blicke auf die Poster mit den Schwarz-Weiß-Fotografien. Menschen verschiedener Generationen, beinahe so vielfältig wie die von Hauswald Porträtierten, hatten sich eingefunden, um ihre Erinnerungen oder – im Falle der jüngeren Besucher – Vorstellungen von der DDR mit den Bildern des in Berlin tätigen Fotografen zu vergleichen. Doch „Voll der Osten“ sei nicht nur eine Erinnerung, wie Dr. Julia Gerlach, Studienleiterin für Demokratie, Wirtschaft und Soziales der Akademie, betonte. Man müsse die Vergangenheit an der Gegenwart spiegeln, denn nur so entfalte sie ihre ungeheure Wirkungskraft.

Der Künstler selbst berichtete in seinem Grußwort von der persönlichen Bedeutung, die seine Fotografien für ihn haben. Mit ruhiger Stimme erzählte Hauswald, wie er als Telegrammbote in Ost-Berlin zum Fotografieren kam. Bei seinen Botengängen erschloss er sich die Stadt mit der Kamera in der Hand und einem scharfen Blick fürs Detail. „Das Fotografieren hat mich befreit“, erklärte Hauswald, dessen schonungslos ehrliche Bilder in den 1980er Jahren bei der SED auf wenig Gegenliebe stießen. Aus ihnen geht die Sehnsucht nach einer weiteren, offeneren Welt jenseits von Grenzen und Mauern hervor. Egal ob jung oder alt, arm oder reich, glücklich oder einsam, Hauswald hat die Menschen der DDR so dargestellt, dass es leicht fällt, sich in ihnen wiederzuerkennen. Beim Rundgang durch die Ausstellung ergaben sich daher viele angeregte Gespräche, während die Besucher lange vor den Bildern verweilten und diese auf sich wirken ließen.

In ihrer Rede betonte Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange, dass eine Ausstellung wie „Voll der Osten“, deren erklärtes Ziel es ist, den Alltag in der DDR ungeschminkt und in all seinen Facetten darzustellen, fast drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung keineswegs selbstverständlich sei. Die Ministerin wies darauf hin, dass es notwendig sei, die DDR in Erinnerung zu behalten, ohne dafür als sogenannter „Ostalgiker“ verrufen zu werden. Dieser Wunsch nach einem unapologetischen Blick zurück wurde auch von Besuchern der Ausstellung geteilt. „Die Wahrnehmung als Individuum ist gestört, wenn einem ständig vorgeworden wird, nur in der Vergangenheit zu leben“, erklärte Georg Krause. Dennoch bereue der gebürtige Meißener die Wende nicht. „Es ist gut, dass es Wendungen gibt. Das starre Beharren auf Konventionen war es schließlich, das auch die DDR untergehen lassen hat.“

So wecken Hauswalds Bilder und die tiefgründigen Texte, die Stefan Wolle zu ihnen verfasst hat, gemischte Erinnerungen an dieses letzte Jahrzehnt der DDR. Es ist eine Episode der Vergangenheit, die zumindest für die Menschen, die sie erlebt haben, immer ein wenig mehr sein wird als nur Geschichte. 


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