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Montag, 28. Januar 2019 | 11:32 Alter: 20 Tag(e)

„Wem gehört der öffentliche Raum?

Aneignungs- und Vertreibungsprozesse“


Prof. em. Dr. Titus Simon, Foto © Titus Simon

… so die Überschrift eines Vortrags von Prof. Titus Simon während einer bevorstehenden Tagung der Evangelischen Akademie Meißen zur Sozialarbeit mit jungen Menschen in Dresden. Studienleiter Christian Kurzke sprach mit Titus Simon zu den Hintergründen dieses immer wieder intensiv diskutierten Themas. Prof. em. Dr. Titus Simon setzt sich auch nach seiner Pensionierung mit Themen wie ‚Jugend und Gewalt`, ‚Jugendarbeit` und ‚Jugendhilfeplanung` auseinander und ist darüber hinaus als Schriftsteller aktiv.

Christian Kurzke, EAM: Immer wieder gibt es in Kommunen Debatten darüber, dass bzw. ob Jugendliche mit ihrer Art der Präsenz im öffentlichen Raum als störend empfunden werden, da sie mit ihrem Verhalten Grenzen überschreiten. Welche Grenzen sind das und womit lösen Jugendliche in anderen Teilen der Gesellschaft den Eindruck aus zu stören, sich „nicht richtig“ zu verhalten?

Titus Simon: Es gibt jugendliche Verhaltensweisen, die zu Recht als Störung wahrgenommen werden: Gewalt, Zerstörung, unzumutbarer Lärm. Hier Grenzen zu setzen, ist richtig und keineswegs nur eine Aufgabe Sozialer Arbeit. In einer allgemein verunsicherten Gesellschaft werden aber auch die vielfältigen expressiven Ausdrucksweisen von Jugendkultur, das Spielen vor dem Haus oder im Wohngebiet, oder die Bricolage – die Umnutzung von Objekten und Flächen im spielerischen oder jugendkulturellen Kontext – als Störung wahrgenommen.

Geschehen die Verhaltensweisen der jungen Menschen bewusst, wollen sie stören, auffallen? Oder was führt dazu?

Jugendliche Suchbewegungen produzieren Gewolltes und Ungewolltes. Gelegentlich kommt es zur vorsätzlichen Provokation, um Erwachsene oder Angehörige anderer Jugendszenen zu provozieren oder zu verstören. Häufig fühlt sich die Öffentlichkeit bereits dann gestört, wenn „Missliebige“ oder „nicht dazu Passende“ sich in Räumen aufhalten, die für andere Nutzungen vorgesehen sind. Jugendliche, vor allem Angehörige expressiver Jugendkulturen, erzeugen vielfach allein durch ihre Präsenz Unbehagen und Änderungsbedürfnisse.

Wo können denn junge Menschen heute zumeist unkompliziert im öffentlichen Raum sein, so wie sie sind? Gibt es da Unterschiede in den letzten 30 Jahren?

Vor Jahren habe ich im Rahmen einer Sozialraumstudie in einer Kleinstadt eine Erhebung vorgenommen, die deutlich gemacht hat, dass den damaligen Kindern und Jugendlichen mehr als 60 Orte genommen worden sind, an denen ihre Elterngeneration noch gespielt oder einfach nur „herumgelümmelt“ hat. Die unkontrollierten wilden Ecken gibt es kaum mehr. Der öffentliche Raum ist umkämpft und verregelt. Für Spiel und Sport werden die Käfige der Spiel- und Bolzplätze zugewiesen.

Können Sie zwei oder drei Sachen benennen, wie in Kommunen junge Menschen gleichberechtigt den öffentlichen Raum, der ja allen gehört, nutzen können?

Jugendcliquen können sich auch heute noch im öffentlichen Raum treffen und aufhalten. Aber selbst die Cliquenbildung ist rückläufig, Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben veränderten Kommunikationsformen durch soziale Netzwerke wirken die Verregelungen des öffentlichen Raumes. Der demografische Faktor spielt eine Rolle, ebenso die Kontrollbedürfnisse der neuen Elterngenerationen und der Ganztag in den Schulen. Auf der anderen Seite sind Jugendliche begehrte Zielgruppen der Eventisierung der Innenstädte, aber nur dann, wenn sie konformes Verhalten an den Tag legen.

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Sozialraum Management
Gemeinwesenarbeit und Lebensweltanalyse am Beispiel Dresden
01. Februar 2019
Fachhochschule Dresden
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Eine Kooperationstagung der Evangelischen Akademie Meißen mit der Fachhochschule Dresden (FHD), dem Treberhilfe Dresden e.V., dem Herbert-Wehner-Bildungswerk e.V. sowie dem LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V.


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