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Donnerstag, 30. Januar 2020 | 13:57 Alter: 26 Tag(e)

Studienleiter spricht im TV über den Osten


Christian Kurzke im Fernseh-Interview.

Wie prägt die DDR Menschen bis heute? Darüber gab unser Studienleiter Christian Kurzke, 1977 in Eisenach geboren und heute nach Aufenthalten im Ausland und Studium in Mannheim in Radebeul wohnend, in einem langen Interview "Dresden Fernsehen" Auskunft: Über Erinnerungen aus seiner Biografie, Schlussfolgerungen und Motivationen. Der Drehort - die Dresdner Dreikönigskirche - wird die neue Heimat der Evangelischen Akademie in Sachsen sein. Hier sein Text für die Initiative Opens external link in new window„Wir sind der Osten“.

 

Weshalb bist Du in den Osten zurückgekehrt?

Wohnortveränderungen innerhalb Deutschlands standen immer im Zusammenhang mit pragmatischen Entscheidungen: Studium, Job, Liebe. Dass es immer der „Osten“ war, wurde von mir nicht angestrebt, sondern lag an den jeweiligen Möglichkeiten, die sich von anderen positiv unterschieden.

Es hätte jedes Mal anders sein können. Die Zeit im Nahen Osten galt dem Entdecken und Lernen, dem Versuch, deutsche wie auch jüdische Geschichte ebenso zu verstehen wie die des Nahen Ostens. Und das Lebensgefühl einer wahrlich multikulturellen Region zu genießen.

 

Wie gestaltest Du die Zukunft?

Als Studienleiter an der Evangelischen Akademie Meißen leite ich den „Studienbereich Jugend“. In Fachtagungen thematisiere ich die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft, aber auch die Kinder- und Jugendpolitik selbst. Auf vielen Fachveranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Handlungsfeldern begegnen sich Fachkräfte, Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und Mitarbeitende aus Behörden.

Miteinander werden letztlich immer über Gestaltungs- und Teilhabemöglichkeiten nachgedacht und konkrete Schritte angestoßen. Dazu kommt das Querschnittsthema Demokratiestärkung. Meine Arbeit führt mich in verschiedene Ehrenämter, wie bspw. Vorstände, Beiräte oder Jurys.

 

Wie beeinflusst Dich Deine ostdeutsche Herkunft?

Da sind zum einen Kindheitserinnerungen. Aber zum anderen das Wissen um das unglaubliche Glück der Ereignisse 1989/90, welche mir in der Folge ein freies Leben ermöglicht haben, mit vielen persönlichen Entscheidungsoptionen. Ich empfinde neben dem Glück vor allem eine Verantwortung daran zu erinnern, wie anders eine Gesellschaft, ein Staat funktionieren und welche Auswirkungen dies auf Einzelne aber auch auf das Miteinander haben kann.

Deshalb ist es mir wichtig mich für Demokratie, Teilhabe und Gerechtigkeitsfragen einzubringen, weil nur mit diesen Unmut und (empfundenen) Benachteiligungen entgegengewirkt werden kann. Und manchmal vermisse ich die gute Thüringer Bratwurst oder den Kloß …

 

Was wünschst Du Dir für Ostdeutschland?

Leichtigkeit, Zuversicht, Zugewandtheit und Respekt im Miteinander – mit anderen wie auch mit völlig anderen Lebensentwürfen fallen mir da zuerst ein. Ich habe den Eindruck, dass Veränderungen zu oft als belastend, als negativ wahrgenommen werden bzw. vor allem (vermeintliche) Probleme betont werden. Dabei bestehen im offensiven Anpacken von und Zugehen auf Veränderungen zumeist die größte Gestaltungsmöglichkeit.

Im Laufe der Geschichte ist noch nie etwas geblieben wie es war, auch nicht im eigenen kleinen Dorf. Aber am besten wurde es, wenn sich Menschen auf etwas eingelassen, sich für Neues geöffnet haben und gemeinsam den weiteren Weg, den Wandel definiert haben.


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