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Montag, 20. November 2017 | 13:17 Alter: 22 Tag(e)

Theresienstadt/Terezín: Ort der Lüge, Instrument der Vernichtung

Eindrücke einer Bildungsfahrt


Fotos aus Theresienstadt von Studienleiterin Dr. Julia Gerlach

Nirgendwo kam der Zynismus der Nationalsozialisten deutlicher zum Ausdruck als in Theresienstadt, schreibt der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz. Am 18./19. November 2017 organisierte die Evangelische Akademie Meißen, gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie Meißen im Bundesprogramm Demokratie leben!, eine Bildungsfahrt an den Ort, an dem Exklusion, Internierung, Ausbeutung und Vernichtung von Menschen durch die Nationalsozialisten zur menschenverachtenden Wahrheit wurde. Gleichwohl stellte die nationalsozialistische Propaganda Theresienstadt als „heiteres Ghetto“ dar, in dem Juden aus vielen europäischen Ländern ein „gutes Leben“ führen könnten, reich an kulturellen und sportlichen Angeboten.


Im Rahmen der Bildungsfahrt besichtigten die rund 40 Teilnehmenden zunächst die sogenannte Kleine Festung (die Bezeichnung stammt aus der Gründungsgeschichte des Ortes als Garnisonsstadt), in der von 1940 bis 1945 ein Gestapo-Gefängnis untergebracht war. In diesem Zeitraum wurden dort über 30.000 Menschen interniert, viele von ihnen politische Gegner. Jede zehnte inhaftierte Person fand dort den Tod. Mindestens 8.000 weitere Inhaftierte wurden in andere Lager deportiert und dort ermordet.


In der sogenannten Großen Festung setzten sich die Teilnehmenden mit dem „Ghetto Theresienstadt“ auseinander, das die Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1945 errichteten. Insgesamt wurden dort rund 140.000 Menschen interniert, darunter nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung Böhmens und Mährens. Geplant für wenige tausend Einwohner, mussten die internierten Bewohnerinnen und Bewohner Theresienstadts unter widrigsten Bedingungen leben. Versorgungs- und Medikamentenmangel, Enge, Kälte, und fehlende Hygiene führten zu Unterversorgung, Krankheiten und dem Tod von mindestens 33.000 Menschen in Theresienstadt. Darüber hinaus diente Theresienstadt als Transitlager. Tausende von Menschen wurden von dort aus in Vernichtungslager deportiert und ermordet.


Die Propaganda der Nationalsozialisten erreichte gleichwohl, dass vielen Menschen wie auch anderen Staaten und internationalen Organisationen Theresienstadt als „Vorzeigeprojekt“ erschien. Diese Wahrnehmung wirkt bis heute nach, wenn Menschen die Funktion Theresienstadts relativieren. Ein zentrales Thema im Rahmen der Bildungsfahrt war daher das Aufdecken und der Umgang mit Propaganda gestern und heute. Darüber hinaus standen Biographien von Inhaftierten sowie die künstlerische Auseinandersetzung von Inhaftierten mit ihrer Situation im Vordergrund.


Die Losung nie wieder, so das Fazit, geht alle an. Eine jede und ein jeder ist in diesem Sinne gehalten, das menschenverachtende und menschenvernichtende Grauen nationalsozialistischer Herrschaft zu erinnern und in Konsequenz daraus unsere heutige Gesellschaft als eine pluralistische, demokratische, menschenfreundliche mitzugestalten.


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