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Mittwoch, 25. Januar 2017 | 10:54 Alter: 61 Tag(e)

"Wo Toleranz an Grenzen stößt" - Sozialstaat in Transformation

Tagung am 20. und 21. Januar 2017 in der Evangelischen Akademie Meißen


Akademiedirektor Johannes Bilz im Gespräch mit Regina Mönch, Journalistin, Prof. Dr. Stefan Hradil, Soziologe, und Frank Richter, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (v.l.n.r.)

(c) Dr. Falk Spirling

"Es hätte ohne weiteres noch einen Tag länger gehen können.", wünschten sich die Teilnehmenden, die in intensiven Diskussionen vor allem über zu ziehende Grenzen in der Toleranzfrage vertieft waren. Mit drei Spotlights auf drei Texte hatten Frank Richter von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Christian Schönfeld vom Diakonischen Werk Sachsen und Johannes Bilz, Evangelische Akademie Meißen, biblische Toleranzerziehung durch die Zehn Gebote, das Lernen des Jona und den Freiheitsaufruf des Paulus an die Galater hervorgehoben.  Die folgenden Gesprächsgruppen nahmen die Impulse auf und diskutierten engagiert über Toleranz im persönlichen Alltag, im politischen Geschehen und im Umgang mit dem und den Fremden – auch Religionen.
Besonders der Bereich der Bildung als Feld der Toleranzerziehung schlechthin wurde betont, ebenso wie die Herausforderung an jede und jeden Einzelnen mit ihrem „Regelwerk“ und Verhalten.
Die Journalistin Regina Mönch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonte in ihrem Gespräch mit Frank Richter, Schulen seien „Fluchtmöglichkeiten aus den Parallelgesellschaften“ vor allem in Großstädten. Besonders kritisch setzte sie sich aufgrund eigener Erfahrungen mit intoleranten Strömungen islamischer Gruppen in Deutschland auseinander. „Wir brauchen eine offene streitbare Islamkritik in Deutschland, denn es geht um Werte.“
Als Fazit stellte Prof. Dr. Stefan Hradil in seinem Vortrag heraus, dass „wir Zuwanderung von Erwerbstätigen aus eigenem Interesse brauchen und alle Einwohner die Grundwerte zu achten und die Grundrechte anderer zu respektieren haben.“ Darauf beruhten die zukunftsfesten Grenzen der Toleranz. Im Gespräch von Johannes Bilz und Frank Richter mit den beiden Referenten und den Teilnehmenden der Tagung kreisten die Fragen um die Durchsetzung von Grundwerten in unserer Gesellschaft, dem Finden eigener gut begründeter Positionen als Basis von „Toleranz“ und dem Umgang mit Angst als emotionalisierendem Element  in oft hitzigen Debatten und Abgrenzungsvorgängen.
Gegenseitige Achtung bei unterschiedlicher Überzeugung zu gewinnen, ist auch eine Frage der Methode. Zwiespältig sind oft Entscheidungen. Mit einer sog. „Dilemmadiskussion“ leitete Sieglinde Eichert  die Teilnehmenden an, über genau vorgegebene Schritte ein Entscheidungsdilemma durchzuspielen. Am Ende des zweiten Tages gingen alle neu sensibilisiert für die Begründung von Grenzen nach Hause, denn nur wo Grenzen bestehen, kann Toleranz geübt werden, im Idealfall zur gegenseitigen Anerkennung führen.

 

 


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