Wer sind die Augustiner Chorherren?

Augustinus (345 - 430 in Nordafrika) führte, wie das auch schon andere vor ihm getan haben, mit den Pfarrern seiner Bischofskirche ein gemeinsames Leben im „Gartenkloster“ - ähnlich den Mönchen, nur dass eben an die Stelle der Handarbeit die pastorale Arbeit trat. Dem Ideal eines solchen Lebens gehen die Augustiner Chorherren nach. Als Augustinus im Jahre 395 Bischof wurde, verließ er das Gartenkloster, um das zurückgezogene Leben der Gemeinschaft nicht zu gefährden. Aber auch im Bischofshof sammelte er Geistliche um sich, die bereit waren, mit ihm ein Leben der Ehelosigkeit und freiwillig gewählter Armut zu führen. Er nannte diese Gründung selbst ein Monasterium Clericorum - ein Klerikerkloster.

 

Das Leben dieser Klerikergemeinschaft war ähnlich geordnet wie im Gartenkloster, doch war es noch stärker auf die Seelsorge ausgerichtet - eine fruchtbare Verbindung von beschaulichem mit tätigem Leben: Das Klerikerkloster enthob den Einzelnen der Sorge um den Lebensunterhalt, bot hinreichend Möglichkeiten zum Studium und zur Weiterbildung sowie auch zur spirituellen Vertiefung, vor allem aber sollte sich jeder in der brüderlichen Gemeinschaft geborgen und beheimatet wissen. Ohne Zweifel konnte auch die Seelsorge von einem Team effektiver betrieben werden als von einem Einzelnen.

 

Aus dem Kloster in Hippo gingen eine Reihe bedeutender Bischöfe hervor, die diese Lebensform auch in ihre Diözesen verpflanzten. Als das Werk des Heiligen Augustinus im Vandalensturm des 5. Jahrhunderts in Schutt und Asche sank, blieb die Idee vom gemeinsamen Leben der Geistlichen lebendig und wurde von seinen Schülern weiter verbreitet.

 

Für diese Gemeinschaften gab es kaum feste und noch weniger allgemeinverbindliche Regeln. Immer wieder brauchte es daher neue Formbestrebungen. Im Jahre 768 schrieb Bischof Chrodegang von Metz eine Regel für die Priester seiner Domkirche. Die Synode von Aachen erweiterte im Jahre 816 diese Regel und machte sie zur verpflichtenden Richtschnur aller im fränkischen Reich lebenden Geistlichen. Zum Unterschied von Augustinus gestattete die Aachener Regel den Geistlichen aber das Privateigentum, was zu vielen Missständen führte und das gemeinsame Leben aushöhlte.

 

Auf der Lateransynode 1059 trat Hildebrand, der spätere Papst Gregor VII., entschieden gegen diese Zugeständnisse der Aachener Regel auf und forderte, die Kleriker sollten sich am Vorbild des heiligen Augustinus orientieren, der vollständige Gütergemeinschaft verlangt hatte. In der Folgezeit kam es zur Scheidung: Diejenigen, die am Privateigentum festhielten, bildeten fortan die weltpriesterlichen Chorherren (Canonici Säkulares), die anderen, nach der neuen „Regel“ lebenden Priester, nannten sich „regulierte“ Chorherren (Canonici Regulares), die sich durch Übernahme der Ordensgelübde mehr den Mönchen näherten.

 

Im 12. Jahrhundert begann die Glanzzeit des Chorherren-Ordens. Strenges Klosterleben, erhebender Gottesdienst, beispielhafte Seelsorge und wissenschaftliche Betätigung verschafften ihm die Bewunderung der kirchlichen Obrigkeit und des christlichen Volkes.

 

Mit der Übernahme von Seelsorgeaufgaben stellte sich das Problem der Abhängigkeit vom Ortsbischof und der Zusammenarbeit mit ihm. Die Bischöfe waren daran interessiert, die Kleriker in das Seelsorgekonzept des Gebietes einzubinden. Ein typisches Beispiel dafür ist der Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der um 1122 mit seinem gesamten Domkapitel die Augustinusregel annahm und die Chorherren in seiner Diözese und darüber hinaus nachhaltig förderte.

 

In anderen Ländern schlossen sich Kanoniker-Stifte mit gleichartiger Zielsetzung zu Kongregationen zusammen. In Frankreich entwickelte sich das Stift St. Viktor bei Paris zum Mittelpunkt einer blühenden Kongregation mit etwa vierzig angeschlossenen Stiften. Ein in der Schweiz gelegenes Kloster der Augustiner, das vom Heiligen Bernhard von Menthone auf dem Großen St. Bernhard gegründete Hospiz, erlangte weltweite Bekanntheit, nicht zuletzt durch die Bernhardinerhunde, die fast berühmter wurden als die Chorherren selbst. Später entsteht eine Windesheimer Kongregation, die sich um das 1350 gegründete Stift Kroenendaal in den Niederlanden gebildet hatte. Hier erfolgte eine mehr kontemplative Ausrichtung. Aus ihr ging die devotio moderna hervor, eine mystisch-asketische Bewegung, die auch weite Kreise der Laienwelt erfasste. Als bedeutender Vertreter ist Thomas von Kempen mit seinem Büchlein "Nachfolge Christi" zu nennen. Eine andere starke Reformbewegung ging auch vom 1333 gegründeten Kloster Rautnitz in Böhmen aus.

 

Zur Zeit seiner größten Blüte im Mittelalter hatte der stattliche Orden etwa 4500 Niederlassungen. Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Reformation, Aufklärung, Klostersturm und Säkularisation blieben ein Dutzend Häuser in Österreich in der Schweiz und in Italien übrig. Im Jahre 1959 schlossen sich alle Augustiner Chorherren unter einem gemeinsamen Abt zusammen.

Mehr Informationen unter http://www.augustiner.de )

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