Die Zwickauer Ratsherren
Die Grabplatte der "Zwickauer Ratsherren"

Im Kreuzgang des St.-Afra Klosterhofes befindet sich das ehemalige Grablager der "Zwickauer Ratsherren". Bei Bauarbeiten um 1987 wurde die Grabplatte und die Gebeine durch Bauarbeiter zufällig entdeckt. Heute ist die Grabplatte an der ursprünglichen Stelle wieder sichtbar.

Über die Ereignisse aus dem Jahr 1407, die zu dieser ungewöhnlichen Grabstelle gehören erzählt der Chronist:

"Im Jahr 1407 war ein Stadtvogt im Rat zu Zwickau, Franz Steuchsing, ein böser Mann, der bei dem Markgraf Wilhelm zu Meissen, den Rat und die Bürgerschaft gerne um etliche Freiheiten, als Gerschte, Zoll, Fischerei und Jagten gebracht hatte, dabei aber die Leute mit Erhöhung des Zolls sehr beschweret den Rat geschmäht und viele Untreue begangen. Weil er nun nicht davon lassen wollen, ist man ihm so aufsässig und widerwärtig worden, daß es auch endlich soweit gekommen, daß diesen Stadtverräter am Tage Valentini 1407 vor dem Rathaus auf dem Markt der Kopf abgeschlagen worden.  

Ob nun wohl der Rat Kraft habenden Ober- und peinlichen Halsgerichts, solches mit gutem Recht und Fug tun können: so hat es doch der Herzog und Markgraf Wilhelm sehr übel aufgenommen und deswegen den ganzen Rat zu sich in die Stadt Meissen erfordert. Es hat aber derselbe für gut befunden, vier Personen seines Mittels, als Peter Mer­genthal, Hanns Ditt­mann, Hanns und Stephan Gülden, zwei Brüder, abzusenden, die der Stadt Freiheit und Bestes verteidigen, auch sonst notdürftige Vorstellung tun sollten. Diese Männer haben sich auch als Liebhaber ihrer Vaterstadt willig dazu brau­chen lassen, ob sie wohl vermutet, daß ihnen ein gewaltsamer Tod angetan werden durfte; daher sie denn, ehe sie abgereist, das heilige Abendmahl auf papistische Weise ge­braucht, ihre Ster­bekittel mitgenom­men, und die Ihrigen gesegnet - was sie gemutmaßt, ist ihnen auch widerfahren.

Denn als sie in der Stadt Meissen ankom­men und kaum von dem Wagen gestie­gen, sind sie alsbald, ohne Verhör, unter dem Schloß­tor ent­hauptet und hernach in Sankt- Afra- Kirche unter einem Stein, darauf drei Schwä­ne gehauen (auf den Stadt­namen Cygnma) begraben worden.

Der Mark­graf, wel­cher diese große sünd­liche Übereilung hernach sehr bereut hat, hat der Stadt dar­auf ihre alten Privilegien wie­der bestätigt und noch vielerlei Gnade erzeigt, wodurch aber die vier unschuldig hingerichteten Männer nicht wieder lebendig ge­macht, noch ihren Weibern und Kindern die Schmer­zen gelindert wer­den können.”

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